Elternzeit beim DigitalService: wie wir die Organisation familienfreundlich gestalten
Elternschaft verändert das Arbeitsleben – und das Arbeitsleben das Elternsein. Das erleben unsere Kollegin Lene, Senior Transformation Managerin, und unser Kollege Benjamin, Principal Transformation Manager, aktuell selbst. Gemeinsam mit People Operations Managerin Julia sprechen wir über familiäre Veränderungen – und wie sich diese mit einer modernen Arbeitskultur vereinen lassen.
Zwischen Arbeitsalltag und Schwangerschaft: Der Weg zur Elternzeit
Liebe Lene, Du erwartest ein Kind. Herzlichen Glückwunsch. Wie bereitest Du Dich auf diese aufregende Zeit vor?
Danke schön. Privat durch Erfahrungsberichte, auch Social Media war für mich eine Informationsquelle. Doch auch beruflich gibt es einiges zu beachten. Das People Team des DigitalService ist vom ersten Tag der Kommunikation Ansprechpartner. Es bereitet die nötigen Schritte für den bevorstehenden Mutterschutz und die Elternzeit vor – auch in Bezug auf bürokratische Prozesse. Das hilft sehr.
Vor allem aber müssen organisatorische Fragen geklärt werden. Eltern sind berechtigt, bis zu drei Jahre Elternzeit zu nehmen, bis zum achten Lebensjahr des Kindes. Die Zeiten können Partner untereinander aufteilen. Welches Modell am besten passt, hängt von individuellen Lebensumständen ab.
Was braucht es für ein erfolgreiches Zusammenspiel zwischen Mitarbeitenden und Arbeitgeber?
Klare Kommunikation und familienfreundliche Strukturen. Beim DigitalService herrscht dafür Offenheit, Wohlwollen und Flexibilität. Mit dem People Team und der direkten Führungskraft schauen wir gemeinsam nach Lösungen. Diese familienfreundliche Kultur hat auch meine Einstellung verändert. Es wird keine Angst geschürt, dass Mitarbeitende abgehängt werden, wenn sie sich für Kinder entscheiden. Im Gegenteil: Im Unternehmen gibt es viele positive Beispiele, wie Familie und Beruf vereint werden können. Führungspositionen und mehr Verantwortung werden ermöglicht, ob in Teilzeit oder in Vollzeit. Es gibt kein Augenrollen, keine soziale Wertung. Familienfreundlichkeit ist ein klarer Wert, der nicht nur genannt, sondern aktiv gelebt wird.
Welche Herausforderungen und Chancen nimmst Du wahr?
Der bürokratische Aufwand für werdende Eltern ist hoch. Informationen müssen mühsam zusammengesammelt werden. Orientierung kann der Elterngeldrechner geben. Er informiert darüber, wie hoch das Elterngeld wäre und wie Zeit aufgeteilt werden kann. Eine proaktive Verwaltung wäre wünschenswert: dass das Elterngeld künftig automatisch ausgezahlt werden soll, ist eine positive Entwicklung.
Gleichzeitig ist es eine große Chance, von der Arbeit freigestellt zu werden, um sein Kind aufzuziehen und trotzdem finanziell abgesichert zu sein. Für mich ist das ein großer Vorteil des deutschen Sozialstaats. Auch für Unternehmen sehe ich Chancen: Eltern entwickeln neue Perspektiven und erlernen Fähigkeiten, die auch für die Arbeit wertvoll sind.
Familienfreundlich und flexibel: wie funktioniert das?
Liebe Julia, Du arbeitest beim DigitalService im Bereich People Operations. Mitarbeitende berichten Dir von einer Schwangerschaft: Was passiert dann?
Für schwangere Frauen gelten ab der Meldung Schutzregelungen: Wir schauen, wie sich Arbeit und Schwangerschaft vereinbaren lassen und setzen auf Flexibilität. Das Arbeiten aus dem Homeoffice ist in den meisten Fällen problemlos möglich. Im Büro gibt es außerdem einen separaten Raum mit Liege, der zum Ausruhen oder Stillen genutzt werden kann. Unser People Team steht für Fragen zur Verfügung, führt durch Dokumente und klärt auf, was es zu beachten gibt.
Welche Werte stehen hinter den Prozessen?
Beim DigitalService hat Familienfreundlichkeit einen festen Stellenwert. Das zeigt auch einer unserer Sticker mit der klaren Botschaft: #WorkThatCaresAboutCarework. Sich Elternzeit zu nehmen, wird als Normalität angesehen – das senkt die Hemmschwelle. Diese Kultur spiegelt sich auch in der Anzahl der Väter wider, die Elternzeit nehmen. Häufig bleiben diese auch länger in Elternzeit als die weitverbreiteten zwei Monate. Gleichzeitig wird Familienfreundlichkeit auf allen Ebenen gelebt: Rund 70 % unseres Leadership-Teams sind selbst Eltern und arbeiten beispielsweise in Teilzeit.
Eine gesunde Work-Life-Balance und die Rücksichtnahme auf private Lebensumstände sind wichtige Faktoren in unserer Arbeitskultur.
Wie bringt der DigitalService Tagesgeschäft und Familienfreundlichkeit unter einen Hut?
Natürlich darf das Tagesgeschäft darunter nicht leiden. Deswegen haben wir resiliente Arbeitsstrukturen etabliert und versuchen, so früh wie möglich mit den Teams die bevorstehenden Abwesenheiten vorzubereiten. Die Teams agieren dabei mit viel Eigenverantwortung, gleichzeitig behalten wir von Anbeginn einen Blick auf die Personalbesetzung und das Arbeitspensum. Gemeinsam überlegen wir, wie Arbeit verteilt oder durch eine Vertretung ersetzt werden kann.
Was ist das Besondere am DigitalService im Gegensatz zu anderen Arbeitgebern?
Wir sind davon überzeugt, dass gute Rahmenbedingungen gute Arbeit fördern. Deshalb setzen wir auf Flexibilität und geben keine starren Strukturen vor. Ob Mitarbeitende aus dem Homeoffice arbeiten oder vor Ort sind, ob sie eine Stunde früher oder später anfangen, ist ihnen selbst überlassen. Am Ende geht es um das Produkt, das stehen soll. Diese Offenheit nimmt viel Druck: beispielsweise wenn es morgens einfach mal nicht so schnell geht oder die Kita kurzfristig geschlossen hat.
Wie unsere Mitarbeitenden diese Flexibilität handhaben, spiegelt sich auch in den Elternzeit-Modellen wider: Es gibt Menschen, die mit neun Stunden aus der Elternzeit zurückkehren, andere starten mit 40 Stunden rein. Wir begegnen unseren Mitarbeitenden mit Wohlwollen und probieren neue Wege aus, um ihnen den Wiedereinstieg zu erleichtern. Damit haben wir bisher positive Erfahrungen gemacht. In der heutigen Arbeitswelt sehen wir diese Strukturen als bewusste Anreize, um die Mitarbeiterzufriedenheit zu fördern, Eltern fest in unserer Arbeitswelt zu integrieren und zu einem positiven Arbeitsklima beizutragen.
Vater, Kind – Beruf. Männer in Elternzeit?
Frauen und Männer bevorzugen eine gleichmäßige Aufteilung der Elternzeit. Das zeigt eine repräsentative Befragung der Bertelsmann Stiftung. Die Realität sieht allerdings anders aus: Frauen beziehen im Schnitt 11,6 Monate Elterngeld, Männer nur 2,8 Monate.
Hi Benjamin, Du bist Vater geworden – herzlichen Glückwunsch. Nun bist Du wieder zurück, wie fühlt sich das an?
Danke Dir – und gut. Mit der Geburt meines Kindes hat ein aufregender neuer Lebensabschnitt begonnen. Gleichzeitig ist es auch schön, ein Stück meines „alten Lebens“ zurückzubekommen, auch wenn sich einiges verändert hat. Vieles muss sich noch sortieren. Doch sei es bei der Terminfindung oder Kinderbetreuung: im Unternehmen herrscht eine große Offenheit, Familien- und Berufsleben miteinander zu verbinden. Die richtige Balance zwischen kleinen Kindern und Arbeit zu finden, bleibt trotzdem die größte Herausforderung.
Wie teilen Du und Deine Partnerin Euch die Elternzeit auf und warum habt Ihr Euch für dieses Konzept entschieden?
Direkt zur Geburt habe ich drei Monate Elternzeit genommen. Nach einer Rückkehr von vier Monaten in den Beruf werde ich nun noch einmal sieben Monate in Elternzeit gehen, die meine Partnerin und ich teils gemeinsam – und ich teils allein mit unserem Kind verbringen werde. Außerdem habe ich meine Stunden reduziert.
Im Vergleich zu anderen Organisationen gehen beim DigitalService überdurchschnittlich viele Männer in Elternzeit. Warum?
Die Kultur trägt sicher auch dazu bei, dass mehr Männer Elternzeit nehmen. Dass es merkwürdige Rückmeldungen gibt, musste ich nicht befürchten. In welchem Zeitrahmen ich mir Elternzeit nehme, habe ich flexibel entschieden. Aus anderen Organisationen wurde mir hier von mehr Reglementierung berichtet. Am Ende mussten wir uns vielmehr selbst klar darüber werden, welcher Weg am besten funktioniert.
Wie etabliert man langfristig Geschlechtergerechtigkeit in der Unternehmenskultur?
Eine komplette Parität scheint mir schwer umsetzbar: allein schon wegen der Stillzeit in den ersten Monaten nach der Geburt. Uns war es wichtig, Wahlmöglichkeiten zu haben. Vom Unternehmen wünsche ich mir, dass ich meine Arbeit so gestalten kann, dass ein ausgewogenes Familienleben möglich ist.
Welche Vorteile bringt es mit sich, als Mann – vielleicht auch länger als der Durchschnitt – Elternzeit zu nehmen?
Als frisch gewordener Vater möchte ich eine Bindung zu meinem Kind aufbauen, meine Rolle gut ausfüllen. Das funktioniert nur mit Zeit. Flexible Elternzeit ermöglicht es, Care-Arbeit gerechter aufteilen zu können und gibt meiner Partnerin die Chance, früher in das Berufsleben zurückkehren zu können.
Doch auch für den Arbeitgeber sehe ich Vorteile. Arbeitsstrukturen müssen zwangsläufig flexibler werden, die Verantwortung auf verschiedene Schultern verlagert werden. Das schafft resiliente und nachhaltige Strukturen.
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